Wenn wir schon den Col de Tourmalet
fahren, dann wollen wir auch was sehen. Doch seit dem wir in Payolle
sind, ist die Wolkendecke sehr tief und die Ausblicke zu den
Berggipfeln sind sehr eingeschränkt. So verbringen wir 1 1/2 Wochen in Payolle, einem Ferienzentrum zwischen Col d'Aspin und Col de Tourmalet
und warten auf besseres Wetter. Dann ist es soweit, für Sonntag sind
30° Celsius und klare Sicht angesagt. Wir starten schon sehr früh,
denn unsere Tour soll uns über die Ostauffahrt des Col de Tourmalet
nach Luz Saint Sauveur und von dort zum Skizentrum Luz Ardiden führen.
Anschließend geht es über die Westauffahrt des Tourmalet wieder zurück.
Von Payolle führt die D 918 hinab
nach Saint Marie de Campan. Hier zweigt die D 918 an der Kirche im Ort zum Col de Tourmalet links ab. Die ersten 5 Kilometer bis
Gripp verlaufen relativ flach und die Straße ist zu so früher Stunde
noch kaum befahren. Rechts und links liegen vereinzelt einige kleine
Häuser. Eine Rechts/Linkskurve in Gripp beendet das ruhige
"Einrollen" Mit 10% Steigung geht es durch die beiden Kurven.
Anschießend fällt die Steigung auf 8% und die Straße verläuft relativ
geradeaus. Eine Kurve, etwa auf der Höhe von Bagnet, wir sehen das
kleine Örtchen zu unserer Linken, unterbricht diese Gradlinigkeit. Nun
sehen wir im Vorblick hoch über uns eine Straße am Berghang. Der
Gedanke, dass wir dort hinauf müssen, nimmt je näher wir kommen Gestalt
an.
Die Straße am Berghang ist nur 350 Meter Luftlinie von uns
entfernt, zum Glück schwenkt vorher die Straße nach links und verläuft
in dem Seitental bis zu einer Spitzkehre. Von hier sind es noch
einmal fast 1,5 km bis zu der Stelle die wir zuvor hoch oben gesehen
haben. Wir sind noch frisch und haben für diesen Anstieg den richtigen
Rhythmus gefunden. Hier im Wald liegt die Steigung bei 9% und nachdem
wir nun den Gegenhang erreicht haben, verlässt die Straße den Wald. Zur
Rechten sehen wir tief unter uns einen Stausee. Gleichzeitig passieren
wir einige Galerien und staunen ungläubig, als vor uns La Mongie, der
Wintersportort auftaucht. Es wirkt in dieser wunderschönen Bergwelt,
wie ein hässliches Monster. Die Steigung liegt bei der Ortsdurchfahrt
bei 11%, geht aber anschließend etwas zurück und ich bin froh, dass der
Ort hinter uns liegt. Nun führt die Straße, auf fast 2 km gerade auf
die Passhöhe zu. Über uns verlaufen eine Vielzahl von Seilbahnen.
Steil ragen die Felswände empor und ein paar Kurven bilden den
Abschluss eines der bekanntesten Pyrenäenanstieges.
Auf der Passhöhe, es ist immer noch
früher Vormittag, ist nicht viel los und wir werden von ein paar
zutraulichen Lamas empfangen. Leider ist der Anstieg zum Observatorium
des Pic de Midi de Bigorre für Radler gesperrt. So bleibt uns nur ein
sehnsüchtiger Blick in Richtung des Observatoriums.