Wir haben auf dieser Tour schon
die Ostseite des Tourmalet und die wunderschöne Auffahrt nach Luz
Ardiden hinter uns und nun geht es durch Luz Sant Sauver zum
Westanstieg des Col de Tourmalet. Im Ort staunen wir, dass die am Morgen noch so
lebhafte Stadt, nun wie ausgestorben da liegt. Mittagszeit in
Frankreich, selbst größere Kaufhäuser schließen. So machen wir
uns auf die für heute bestimmt schwerste Auffahrt. Wie wir gelesen
haben, soll diese noch schwieriger wie die Ostseite sein. Es geht
schon im Ort steil bergan. 6% sind für uns aber nicht so toll und der
Tritt ist schön rund. Der Autoverkehr ist viel geringer als wir uns
das gedacht haben. Allerdings bleiben wir von Idioten, die uns mit
viel zu wenig seitlichem Abstand überholen doch nicht verschont.
Nach 4 km geht es in die ersten Kurven und die Steigung nimmt nach Bareges hin zu. Auch dieser Ort liegt noch wie ausgestorben da, war es
am Vormittag doch ganz anders.
Der richtige Tourmalet-Anstieg beginnt für mich erst am Abzweig nach
Superbareges. Unsere Strecke biegt rechts ab und im Vorblick haben wir
die steile Felswand des Tourmalet. Noch fahren wir im Wald und erst
in der großen Kehre geht es, nun voll in der Sonne, den Hang hoch. 8 km
bis zum Gipfel lese ich und für den nächsten km 4,5% Steigung. Das
Richtige zum Erholen, nur jetzt nicht übermütig werden, denn die
steilsten Passagen kommen erst auf den letzten Kilometern.
Die Straße ist nun schmaler und unübersichtlicher geworden. Ich fahre
oft in der Straßenmitte, um allzu eilige Autofahrer von riskanten
Überholmanövern abzuhalten. Vor mir liegt nun die nackte und kahle
Felswand mit der eingemeißelten Straße und noch viel höher darüber,
der Passübergang. Links von mir, tief unten der Skikomplex von Superbareges. Die Temperatur liegt bei 35° Celsius und Astrid ist
schon vor langer Zeit hinter mir verschwunden. Meine Beine sind schon
so langsam müde und so halte ich an, suche mir ein schattiges
Plätzchen und warte bis Astrid kommt. Dabei genieße ich die herrlichen
Ausblicke auf das sich steil vor mir aufbauende Bergmassiv.
Es dauert nicht lange und zusammen fahren wir die letzten Kehren
bergan. Schon bald ist sie aber wieder hinter mir verschwunden, ich
nehme mal an sie hat zu wenig gegessen oder diese Tour auch
unterschätzt. Die letzten beiden Kehren sind dann die steilsten des
Anstieges und mein HAC zeigt 12%. Die Passhöhe fest im Auge liegt auch
diese Hürde bald hinter mir. Die Beschaulichkeit vom frühen morgen ist
nun vorbei und die friedlichen Lamas sind den unzähligen Touristen
gewichen. Astrid kommt auch sehr schnell nach und gemeinsam versuchen
wir uns, durch unseren schnellen Aufbruch diesem Rummel zu entziehen.