Wir verbringen fast 14 Tage auf der
Hochebene zwischen Col d'Aspin und Col de Tourmalet. Der Grund: 1. es
ist eine wunderbare Landschaft und 2. wir sind den Col de Tourmalet
noch nicht gefahren und wollen dies aber nur bei schönem Wetter
machen. Das heißt, es sollte schon einigermaßen wolkenarm sein, um den Tourmalet in seiner ganzen Schönheit genießen zu können. Die Wartezeit
verbringen wir natürlich damit, die anderen Anstiege in dieser Gegend
zu erfahren. Dazu gehört auch die Hourquette d'Ancizan. Es ist ein
Passübergang der den Ferienort Payolle mit dem Nestetal, genau wie der
Col d'Aspin auch, verbindet.
Dieser Pass liegt auf der kleinen,
kaum befahrenen D 113. Wir starten von unserem Standplatz in Payolle
und fahren den ersten Kilometer auf sehr schlechter Straße an dem
kleinen Stausee vorbei. Am Ende des Sees wird die Straße besser und
befindet sich im weiteren Verlauf in einem hervorragendem Zustand.
Kaum liegt der See hinter uns steigt die Straße, sie führt in den Wald
hinein , mit 7% an. Schon nach der ersten Doppel-Kurve tritt sie
wieder aus den Wald heraus und eine Bilderbuchlandschaft mit grünen
Wiesen taucht vor uns auf. Die Hänge weisen weichere Formen auf und
sind nicht so felsig. Weit vor uns sehen wir ein Gehöft und die Straße
verläuft geradewegs darauf zu.
Erst kurz davor schwenkt sie nach links
und eine Rampe führt erneut in ein Waldstück. In der Kurve ist die
erste Höhe erreicht. Eine 800 Meter lange Abfahrt bringt uns in eine
idyllische Senke. Viele zutrauliche Weidetiere bilden, zusammen mit
dem herrlichen Bergpanorama, einen wunderschönen Hintergrund für
Touristenfotos. Im Gegensatz zum Col d'Aspin, wo wir oft überfüllte
Parkplätze sahen, verirren sich hierher nur wenige Menschen. Die
Straße steigt weiter an und wir haben nach allen Seiten hin freien
Blick auf die herrliche Bergkulisse. Im großen Rechtsbogen führt die
kleine Straße nun auf zwei steile Serpentinen zu. Sie liegen schnell
hinter uns und ein 700 Meter langes gerades Teilstück führt uns zu der
letzten Kurvenkombination. Ein kleiner Felsdurchbruch bildet die
Passhöhe. Restaurationen gibt es hier nicht, dafür aber eine
himmlische Ruhe und eine überwältigende Bergwelt.