Wir verbringen einige Tage in dem Feriengebiet
Payolle und warten darauf, dass es am Col de Tourmalet besseres Wetter
gibt. Es wäre zu schade, diesen Pass in einer Wolkendecke zu fahren.
So sitzen wir morgens beim Frühstück und mein Blick fällt auf eine
Ansichtskarte die Astrid vor ein paar Tagen gekauft hat. Darauf
befindet sich eine wunderschöne Serpentinenstraße. Wie elektrisiert
nehme ich die Karte zur Hand und mache mich über die Lage der Straße
schlau. Sie zeigt einen Teil des Anstiegs zum Cap Lac de Long. Das ist
ein Stausee auf einer Höhe von 2100 Meter über NN.
Das Wetter ist zu
unstabil um ihn auf dem Rad von Payolle aus zu erreichen. Zudem würde
es eine Tour über 3 Pässe sein, was nicht so schlimm wäre, aber auch
über eine viel befahrene Straße. So beschließen wir mit dem Wohnmobil
über den Col d’Aspin (ich weis, ich weis, aber wir sind den Pass schon
einige Male gefahren) in die Nähe des Anstiegs zum Cap Lac de Long zu
fahren. 5,5 km nach Saint-Lary-Soulan stellen wir das Wohnmobil an
einem Wasserkraftwerk ab und fahren mit dem Rad in Richtung spanische
Grenze das Tal hoch. Fast 4 Kilometer haben wir nun, um uns ein wenig
warm zu fahren. Dann ist der kleine Ort Fabian erreicht und hier
beginnt der Anstieg zum Cap Lac de Long. In Fabian biegt die D929
rechts ab und führt bis zum höchsten Punkt des Tales.
Wir folgen der
Straße und genießen noch die ersten 2 km bei Steigungen um 5%. Das
gemütliche Fahren ist aber spätestens dann beendet. Auf den nächsten
12 km liegt die durchschnittliche Steigung bei 7,5%. Leider fahren wir
diese Auffahrt bei nicht so schönem Wetter und so verhindern die
tiefen Wolken oft den Ausblick auf die Bergriesen. Aber hin und wieder
reißt die Wolkendecke auf und wir genießen eine atemberaubende
Bergwelt. Nach 4 km, wir haben schon 320 hm erradelt, haben wir die
erste Kurvenkombination vor uns. Noch ist dichter Wald um uns herum
und das Rauschen eines Gebirgsflusses begleitet uns. Knapp einen
Kilometer weiter gibt es die nächsten Kehren. Lag die Steigung auf dem
letzten km bei 9%, legt sie nun noch einmal zu. 12% zeigen unsere HACs.
In der nächsten Kurve gibt es große Parkplätze. Es ist der
Ausgangspunkt für Wanderungen zum Lac de l’Oule. Wir verzichten heute
darauf, denn wir sind schon ganz gespannt auf die Bilderbuchkehren im
weiteren Streckenverlauf. Auf den nächsten 2,5 km gibt es noch einmal
2 schöne Kurvenkombinationen. Sie bringen uns auf eine Höhe von 1750
Meter über NN. Dann verschlägt es uns die Sprache. Vor uns türmt sich
eine Wand von gemauerten Kehren auf. Die 6 Kehren haben eine
Streckenlänge von nur 500 Metern. Auf ihr sind 65 Höhenmeter zu
überwinden. Das macht 13% Steigung, die hier aber nicht mit Augen zu
und durch erfolgen sollte, sondern Augen auf, genießen und staunen.
Schade, dass das schöne Teilstück so schnell hinter uns liegt, aber
die Bergwelt wird immer gewaltiger.
Bei km 9, die Straße gibt nach der
Umrundung eines Berghanges den Blick auf die Staumauer des Cap Lac de
Long frei, zweigt rechts die Straße zum Lac d’Oredon ab. Der Blick auf
dem immer tiefer liegenden See und der vor, aber noch hoch über uns
liegende riesige Staumauer, ist überwältigend. Bald ist die 2000
Meter Grenze erreicht und der Staudamm ist immer noch gewaltig hoch
oben. Und noch etwas liegt da vor uns, es ist das letzte
Serpentinenteilstück der Strecke. 4 wunderschön angelegte Kurven mit
den letzten 70 Höhenmetern lassen unser Herz noch einmal höher
schlagen.
Dann ist die Staumauerkrone auf 2175 Meter über dem
Meeresspiegel erreicht. Die Ausblicke sind unbeschreiblich schön.
Schroffe Bergspitzen bilden den Rahmen um den Stausee herum und tief
unter uns haben wir fantastische Aussichten auf den Lac d’Oredon. Wir
halten uns lange hier oben auf und verlassen nur wehmütig diese
wunderschöne Bergwelt. Aber in der Abfahrt erleben wir noch ein
Highlight. Die für Autos gesperrte
Auffahrt zum Lac d’Aubert. Davon
gibt es aber eine eigene Beschreibung.